Die musikalischen Werke des Komponisten Felix Draeseke (1835-1913) in der Landesbibliothek Coburg

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Neben der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden besitzt die Landesbibliothek Coburg eine umfangreiche Sammlung von musikalischen Werken des Komponisten Felix Draeseke (1835-1913). Ergänzt werden konnten die seit jeher reichen Bestände der Musikalienabteilung der Landesbibliothek Coburg seit Gründung der Internationalen Draeseke Gesellschaft 1986 durch beträchtliche Zuführungen an Handschriften, Notendrucken, Tonträgern, Briefen und anderem handschriftlichem Material. Eine Reihe von Titeln besitzt auch das in der Landesbibliothek befindliche Archiv der Internationalen Draeseke Gesellschaft.

Landesbibliothek CoburgVon den Werken ohne Opus-Zahl (WoO) besitzt die Landesbibliothek Coburg mit dem autographen Klavierauszug zur Oper Gudrun von 1885 ein bedeutendes Stück. Wertvoll ist ferner die handschriftliche Bearbeitung der Ouvertüre dieser Oper von Samuel Judassohn von ca. 1885 für Klavier zu zwei Händen. Eine kleine Rarität ist ein handschriftlich vorhandener Kanon vom 17. November 1910 über die Tonfolge G Es C H. Es handelt sich um die Initialen von G(erhard) SCH(jelderup), dem norwegischen Komponisten, der seit etwa 1902 mit Draeseke eng befreundet war und der auch in Draesekes Todesstunde der Familie beistand. Im Archiv der Internationalen Draeseke -Gesellschaft befinden sich Kopien von Handschriften aus der Sächsischen Landesbibliothek zu drei Werken ohne Opuszahl (WoO) :

  • Partitur und Stimme zur Sonate für Viola alta und Klavier
  • Partitur zur Sinfonia Comica
  • Partitur, Klavierauszug und Stimmen zum 57. Psalm für Bariton, Chor und Orchester.

Von 24 Werken mit Opus-Zahl besitzt die Landesbibliothek Coburg die Autographen und dürfte damit nach Dresden der Standort mit den meisten Draeseke -Noten- Handschriften sein. Darunter befinden sich so wichtige Werke wie die Partitur der 2. Sinfonie F-Dur op. 25 (1876) und zur Sinfonia tragica op. 40 (1886). Die von Draeseke selbst angefertigten Bearbeitungen der 2. Sinfonie für Klavier zu vier Händen (ca. 1883) und der Sinfonia tragica für Klavier zu zwei Händen (1887) sind ebenfalls vorhanden. Hinzukommt die Serenade für kleines Orchester op. 59 in Partitur (1888) und vierhändigem Klavierauszug (1889). Von den Sinfonischen Dichtungen bewahrt die Landesbibliothek Coburg das "Symphonische Vorspiel zu Kleists Penthesilea" für großes Orchester op. 50 (1888) das Autograph. Zu erwähnen ist hier auch das berühmte Klavierkonzert Es-Dur op. 36 (1886) mit Partitur und Klavierstimme.

Im Gesamtwerk Draesekes steht das Vokalschaffen fast gleichberechtigt neben dem Komplex der Instrumentalwerke. Die Handschriften zu einer Reihe von wichtigen chorsinfonischen Werken lagern in Coburg:

  • Requiem h-moll op. 22, Partitur (1880)
  • Adventlied nach Friedrich Rückert op. 30, Partitur (1875)
  • Osterszene aus Goethes Faust op. 89, Partitur (1887)
  • Columbus-Kantate für Soli, Männerchor und Orchester, Partitur op. 52 (1889) und Klavierauszug (1889)
  • Große Messe in fis-moll op. 60, Partitur (1889).

Von dem Mysterium CHRISTUS, der berühmten Oratorien-Tetralogie Draesekes, archiviert die Landesbibliothek Coburg sämtliche Kopisten-Handschriften der Instrumentalstimmen, aus denen bei den Teil - und Gesamtaufführungen von 1900 bis 1912 gespielt wurde. Die für die Gesamtaufführungen 1990/1991 (Dirigenten: Udo-R. Follert und Hermann Rau) neu angefertigten Abschriften der Streicherstimmen (angefertigt von Jürgen Pfiester) wurden den Beständen zugeführt. Als
Rarität anzusehen ist die autographe Einzelstimme der Jesus-Partie aus dem 3. Hauptteil des Mysteriums "Tod und Sieg des Herrn". Das Autograph des Mysteriums CHRISTUS allerdings befindet sich in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin.

Felix Draeseke schrieb eine stattliche Reihe von Kammermusik Werken, von denen sieben als Autographen in Coburg vorhanden sind:

  • 1. Streichquartett c-moll op. 27, Partitur (1880)
  • Partitur und Stimmen zu heiden Kammermusiken (Adagio/Romanze) für Horn und Klavier op. 31 und op. 32 (1885)
  • Streichquartett Nr. 2 e-moll op. 35, Partitur (1886)
  • die häufig gespielte Sonate für Klarinette/ Violine und Klavier B-Dur op. 38, Partitur (1887)
  • Quintett für Streichtrio, Horn und Klavier B-Dur op. 48 (1888)

Abschließend seien noch die in Coburg befindlichen Autographen einiger Klavier- und Chorwerke sowie Lieder aufgeführt:

  • Lyrische Stücke für Klavier op. 21
  • Gesänge für Männerchor op. 28
  • 6 Lieder op. 29
  • Kanons für Klavier zu 4 Händen op. 37
  • Chorballade "Die Heinzelmännchen" op. 41
  • Kanonische Rätsel für Klavier zu 4 Händen op. 42
  • 5 lyrische Stücke für Klavier op. 43.

Eine ausführliche Würdigung der in Notendrucken in Coburg greifbaren Werke würde den Rahmen dieser Darstellung sprengen. Bis auf ganz wenige sind fast alle Werke Draesekes mit Opus-Zahl archiviert. Von den 7 Titeln der Werke o.O. sei auf einige bedeutende hingewiesen:
Sicher war die Oper, vor allem im Blick auf Bühnenwirksamkeit, nicht unbedingt Draesekes Stärke. Allerdings stehen in diesem Zusammenhang die Erforschung und ausführliche Würdigung noch weitgehend aus. Von "Bertran de Born" besitzt Coburg ein 1895 in Dresden gedrucktes Textbuch, von der Oper "Gudrun" den 1885 bei Kistner in Leipzig erschienenen Klavierauszug von Draeseke und zur Ouvertüre gibt es die gedruckte Partitur und Orchesterstimmen. Zur Oper "Herrat" archiviert die Landesbibliothek die 1892 gedruckte Partitur, ferner zwei Klavierauszüge, 32 Vokalstimmen in Kopie von ea. 1906 sowie 2 Textbücher. Die Oper wurde am 13.11.1906 in Coburg aufgeführt. Von Draesekes letzter Oper "Merlin" besitzt Coburg einen im Selbstverlag 1905 erschienenen Klavierauszug und 1 Textbuch. Im Draeseke -Archiv wird das Textbuch zur verschollenen Oper "Sigurd" (Dresden 1858; Neuauflage 1934) auf bewahrt. Von den Werken o.O. ist 1985 die 1. Sonate für Viola (alta) und Klavier bei Wollenweber, München, in einem Neudruck erschienen.

Aus dem umfangreichen Bestand der Notendrucke in Coburg können ebenfalls einige Besonderheiten erwähnt werden. Von Draesekes gerade zuletzt wieder häufiger gespielter Klaviersonate op. 6 besitzt die Landesbibliothek neben den Erstausgaben (Budapest) von 1862 und 1902 auch den Neudruck nach der Erstausgabe, erschienen in der Reihe der Notenausgaben der Internationalen Draeseke -Gesellschaft Landesbibliothek Coburg1988. Beim Verlag Kahnt, Leipzig, erschien 1873 die 1. Sinfonie G-Dur op. 12 von Felix Draeseke. Zwei Exemplare der Partitur mit 21 Orchesterstimmen konnten vor wenigen Jahren den Beständen in Coburg zugeführt werden. Viele Lieder, Balladen, Klavierwerke und kleinere Kammermusiken sind zum Teil in mehreren Exemplaren vorhanden. Vom Requiem h-moll op. 2 sind die gedruckte Partitur (1887) sowie der Neudruck des Klavierauszuges (Strube, München 1988) greifbar. Die 2. Sinfonie F-Dur op. 25 ist in drei Partituren und mehreren Aufführungsmaterialien vorhanden. Draesekes Streichquartette, die vor allem seit Erscheinen der Neudrucke (op. 35, 1990; op. 66, 1994) wieder mehr Beachtung finden, sind auch in schönen alten Ausgaben vorhanden. Das Quartett c-moll op. 27 wird 1996 als Neudruck erscheinen, womit die Veröffentlichung der vier bedeutenden Kammermusik-Werke (Streichquintett op. 77 ist hinzuzuzählen) beendet sein wird. Zum Adventlied op. 30 besitzt die Landesbibliothek Partitur, Klavierauszug und Orchesterstimmen der Erstauflage. Auch das Klavierkonzert op. 36 ist in Partitur und Orchesterstimmen greifbar. Zu letzterem hat die Internationale Draeseke Gesellschaft 1996 ein Aufführungsmaterial bereit gestellt und dem Draeseke-Archiv zugeführt. Seit dem Neudruck der Klarinetten-Sonate bei Wollenweber, München 1985, wird diese schöne Kammermusik wieder häufig gespielt. Das sinfonische Spitzenwerk Draesekes, seine Sinfonia tragica op. 40, ist mit Partitur, Orchesterstimmen und einer Bearbeitung vom Komponisten für Klavier zu 4 Händen eine Kostbarkeit im Bestand der Landesbibliothek Coburg. Eine echte Rarität ist op. 45, das Symphonische Vorspiel zu Calderon's "Das Leben ein Traum", wovon die Landesbibliothek Partitur und Orchesterstimmen besitzt. Auch zur "Penthesilea" existieren in Coburg Partitur und Stimmen, im Archiv lagern Aufführungsmateriale, die die Internationale Draeseke Gesellschaft auch verleiht. Recht umfangreich sind die Materialien zum CHRISTUS - Mysterium op. 70-73. Vorspiel und 3. Oratorium existieren als Erstdrucke in Partituren, das Gesamtwerk in Klavierauszügen von 1908-1912. Davon liegen in der Landesbibliothek mehrere Exemplare, zum Teil mit handschriftlichen Widmungen von Frida Draeseke. Als Bände 4 - 6 erschienen die Klavierauszüge zum Mysterium in der Notenreihe der Internationalen Draeseke -Gesellschaft 1990 beim Bärenreiter- Verlag in Kassel. Interessant sind vorhandene Beschreibungen der Gesamtaufführungen von 1912 aus der Feder von Arno Rentsch, die neben dem vollständigen Textbuch auch eine Lebensbeschreibung Draesekes sowie eine Einführung in das Werk enthalten. Draesekes letzte große Kammermusik, das Streichquintett F-Dur op. 77 (1903) und seine Große Messe a-moll für gemischten Chor a cappella op. 85 (1910) sind als Neudrucke (1992 bzw. 1984) der Landesbibliothek Coburg zugeführt.

Auf Tonträgern in Form von Schallplatten, Konzertmitschnitten und CD besitzt die Landesbibliothek Einspielungen zu folgenden DraesekeWerken: Opera 6, 14, 15, 17, 19, 22, 24, 25, 38, 47, 48, 49, 57, 66, 60-73, 78 und 85.

Der Bestand an Briefen und anderem handschriftlichem Material ist mit 13 Titeln bescheiden. Über die vorhandenen musiktheoretischen Schriften gibt das Register Auskunft.

Für die Überlassung von Kopien aller Titeleinträge zu Draeseke in der Landesbibliothek Coburg sei Herrn Bibliotheks-Direktor Dr. Jürgen Erdmann herzlich gedankt, insbesondere aber auch Herrn Rudi Mechthold, der die Zusammenstellung der Bestände sowie das Register der musikalischen Werke Felix Draesekes in den Coburger Sammlungen besorgt hat.

Udo-R. Follert

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